WERDER MAGAZIN Nr. 308 - page 67

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abei kam er erst über
Umwege zum Ball-
sport. Bis zu seinem
40. Lebensjahr gehörte
sein Herz dem Laufen. „Ich bin
über Lang- und Mittelstrecken
angetreten“, erzählt Wolfgang
Siede. „Doch dann haben meine
Gelenke dieser Belastung nicht
mehr Stand gehalten.“ Ein Leben
ohne Sport? Undenkbar für den
Bremer. Deshalb entschied er
sich, die Sportart zu wechseln.
„Ich habe geglaubt, ich sei ganz
gut im Tischtennis“, erinnert er
sich lachend. „Aber als ich im
Gemeinschaftszentrum Obervie-
land trainiert habe, musste ich
mir eingestehen, dass ich mich
geirrt habe.“
Wer hört,
mit welchem Taten-
drang Wolfgang Siede seine Auf-
gaben angeht, der ahnt, dass er
sich mit dieser Erkenntnis nicht
geschlagen gab. „Ich wollte bes-
ser sein als ein Freizeitsportler.
Also habe ich weiter trainiert
und ab 1985 die Spiele von Wer-
ders Tischtennis-Mannschaft
besucht, um von den Profis zu
lernen“, erzählt er. Aus dem
neutralen Betrachter wurde
ein leidenschaftlicher Fan. „Ich
war meistens der, der mit dem
Anfeuern angefangen hat“, sagt
er, und die Euphorie in seiner
Stimme lässt keine Zweifel an
dieser Aussage.
Beim Anfeuern
blieb es nicht. Als
Werder Bremen 1994 den Nie-
derländer Merijn de Bruin ver-
pflichtete, nahm ihn Wolfgang
Siede bei Punktspielen als Über-
nachtungsgast auf und brachte
ihn morgens zur Halle. „Weil ich
so früh da war, habe ich gleich
beim Aufbau geholfen“, erzählt
er. Mit diesen Tätigkeiten unter-
stützte der heutige Pensionär die
Mannschaft bis zum Jahr 2001.
Danach übernahm er noch mehr
Verantwortung und war für die
komplette Organisation aller
Spiele der Profi-Mannschaft zu-
ständig. „Ich habe zum Beispiel
Erste Hilfe geleistet, die Spieler
massiert, Lauftraining gemacht
und das Training organisiert“,
sagt Wolfgang Siede. Als Wer-
der Bremen 2003 Meister in der
zweiten Bundesliga Nord wurde,
hatte er einen entsprechend gro-
ßen Anteil am Erfolg. Deshalb
sieht er diesen Titel als persönli-
chen Höhepunkt seiner bisheri-
gen ehrenamtlichen Tätigkeit an.
Nach dem Aufstieg
in die erste
Bundesliga im Jahr 2005 trugen
die Werderaner ihre Heimspie-
le in der Uni-Halle aus, die sich
in schlechtem Zustand befand.
„Da sind wir an unsere Grenzen
gestoßen“, sagt Wolfgang Siede
seufzend. „Ich musste dafür sor-
gen, dass der Spielbetrieb über-
haupt möglich war. Das war eine
harte Zeit“, erzählt der Pensionär
und nennt ein Beispiel: „Es hat
immer mal während einer Par-
tie in die Halle geregnet. Dann
mussten wir teilweise das Spiel-
feld verschieben.“
Seitdem das Team
2010 die neue
Werder-Halle bezog, finden die
Sportler ideale Bedingungen vor.
Auch die Ansprüche an Wolf-
gang Siede stiegen erneut. Seine
Aufgabenbeschreibung heißt
jetzt treffend ‚Leistungsoptimie-
rer‘. Jeder Tisch muss auf den
Millimeter genau auf seinem
Platz stehen, die Halle hergerich-
tet werden, der Lagerraum gut
geordnet sein. „Wenn man im
Spitzensport arbeitet, muss man
höchste Leistungen bringen“,
lautet die strenge Vorgabe, die
sich der 68-Jährige selbst macht.
„Es nützt nichts, wenn die Spieler
gut sind und die Rahmenbedin-
gungen schlecht. Es muss alles
passen.“
Seit 19 Jahren
übt Wolfgang
Siede sein Ehrenamt mit großer
Begeisterung aus. „Ich sehe es
als Auszeichnung an, dass ich für
diesen Verein arbeiten darf“, sagt
er stolz. „Es war für mich immer
ein Auftrag, Werder Bremen
positiv darzustellen. Und ich bin
stolz, dass wir einen Club haben,
der den Sport so unterstützt.“
Laura Ziegler
Der Unverzichtbare
Wolfgang
Siede lebt ehrenamtliches Engagement. Für die Tisch-
tennis-Abteilung ist er ein unentbehrlicher Helfer.
Maßarbeit
Die Was-
serwaage gehört zu
Wolfgang Siedes
wichtigsten Utensili-
en, denn die Tisch-
tennis-Platten müs-
sen millimetergenau
ausgerichtet sein.
Foto: M. Rospek
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