WERDER MAGAZIN Nr. 308 - page 22

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enn der 49-Jährige, der in der kroati-
schen Hafenstadt Split geboren wur-
de, liebt das Wasser. „Ich habe gleich
geguckt, ob es irgendwo möglich ist,
in die Weser zu gehen“, sagt er lachend. Viel
Zeit zum Schwimmen bleibt ihm derzeit aber
nicht. Seit Juli haben Alltag und Freizeit des
Trainers nur einen Inhalt: Fußball.
Dass er eines Tages
bei den Grün-Weißen ar-
beiten würde, hätte Buric nie für möglich ge-
halten. „Da Thomas Schaaf so lange Trainer
in Bremen war, hatte ich Werder nie auf der
Rechnung“, verrät er. „Aber als die Anfrage
kam, musste ich nicht lange überlegen. Wer-
der ist ein super Verein! Ich mag die Organi-
sation, die Tradition und vor allem auch die
Fankultur.“
Damir Buric ist keiner,
der ständig in der
Öffentlichkeit stehen möchte. „Obwohl ich
lange in der Bundesliga gespielt habe, weiß
kaum jemand etwas über mich“, sagt er. Da-
bei gibt es Einiges über den Werdegang des
49-Jährigen zu berichten. In der Kindheit war
sein Vorbild Michel Platini. Dass der Kro-
ate jedoch schon immer einen Blick für das
‚große Ganze‘ hatte, belegt seine ergänzende
Aussage: „Ich habe immer mit dem größten
Interesse beobachtet, wie erfolgreiche Mann-
schaften spielen – damals vor allem Ajax,
Barca, Juve und der AC Mailand.“
Vor seiner Profi-Karriere
war Buric zunächst
bei kleineren Vereinen aktiv und absolvierte
ein Sportstudium. „Vier Jahre lang habe ich
Vorlesungen besucht und trainiert. Das war
richtig hart, aber schön“, erinnert er sich.
Während dieser Zeit begann der ehrgeizige
Kroate, sich mit Methodik, Psychologie und
Pädagogik auseinanderzusetzen. „Deshalb
hatte ich im Training immer schon einen an-
deren Blickwinkel als die reinen Profis“, sagt
er. Bereits damals konnte er sich vorstellen,
später als Coach an der Seitenlinie zu stehen.
Doch 1988
erfüllte sich Damir Buric zu-
nächst einen Kindheitstraum und wechselte
in die Bundesliga. Die Verantwortlichen des
SV Waldhof Mannheim holten das Talent
nach Deutschland. Eine große Herausfor-
derung für den jungen Fußballer. „Damals
war es noch nicht üblich, dass der Verein
die Spieler so stark unterstützt wie heute“,
erinnert sich Buric. „Das war aber gar nicht
so schlecht. Ich habe mich viel mit Deutsch-
land auseinandergesetzt, das Land sofort res-
pektiert und besser kennengelernt.“
Vom SV Waldhof Mannheim
wechselte Buric
später zum MTV Ingolstadt. Mit nur 28 Jah-
ren stand er für den Club als Spielertrainer
in der dritten Liga auf dem Rasen. Die Zeit
in Ingolstadt war aufgrund der doppelten
Verantwortung ein wichtiger Schritt in sei-
ner Entwicklung. 1992 lernte Damir Buric
schließlich seine große Fußballliebe kennen:
den SC Freiburg. Sieben Jahre lang trug er
erfolgreich das Trikot des Vereins und legte
in dieser Zeit seine A-Lizenz als Trainer ab.
Folgerichtig wurde der SC Freiburg 2002
auch zu seiner ersten Station als Coach. Bu-
ric arbeitete als Trainerassistent der zweiten
Mannschaft und des Profi-Teams. 2005 er-
warb er die Fußballlehrer-Lizenz.
Derzeit beschäftigt
sich der Kroate rund um
die Uhr mit Fußball. Sogar freie Tage nutzt
er, um Spiele zu sehen. „Man sollte immer
auf dem neuesten Stand sein und beobach-
ten, was im modernen Fußball passiert,
welche Systeme aktuell sind“, erklärt er. „Es
ist außerdem wichtig, die Spielweise erfolg-
reicher Mannschaften zu analysieren. Das
ist sehr zeitaufwändig. Aber man bekommt
Erkenntnisse, die später für die Arbeit sehr
wertvoll sein können.“ Natürlich nimmt
einen Großteil seiner Zeit die Analyse von
Spielen der eigenen Mannschaft ein, um die
Spieler individuell und mannschaftstaktisch
weiter zu verbessern.
Damir Buric
hat in Deutschland viel erlebt.
Deshalb fühlt er sich hier wie Zuhause. Ge-
meinsam mit seiner Ehefrau Dragana hat
er bereits die Bremer Altstadt erkundet und
festgestellt, dass er nun in „einer wunder-
schönen Stadt“ lebt. Dennoch vergisst er nie,
woher er kommt. „Ich bin in Kroatien gebo-
ren, ich liebe Kroatien, ein herrliches Land,
das jeder einmal gesehen haben sollte“, sagt
er. Seine Herkunft wird vor allem während
des Spiels erlebbar. „Wenn jemand ‚meine
Jungs‘ unfair behandelt, dann werde ich
sehr temperamentvoll“, gibt er schmun-
zelnd zu. „Ich habe ja schließlich Verant-
wortung für sie.“
Laura Ziegler
Die Trainerkarriere
früh im Blick
Wie gut, dass die Weser in
Bremen einen großen Bogen macht. Das erleichtert
Werders Co-Trainer Damir Buric die Eingewöhnung.
Kurz notiert ...
Damir Buric arbeitet seit Beginn der Saison
2007/2008 als Co-Trainer unter Robin
Dutt. Damals übernahm Dutt das Amt als
Cheftrainer des Zweitligisten SC Freiburg
von Volker Finke. Buric war zuvor bereits
Assistenztrainer von Finke gewesen.
Gemeinsam feierten Dutt und Buric 2009
den Aufstieg in die erste Bundesliga. 2011
wechselten sie zu Bayer Leverkusen, ihr
dortiges Engagement endete mit der Beur-
laubung am 31.03.2012.
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